Glossar

Die Wörter, die am Badesee, an der Küste und in Gezeitentafeln vorkommen.

Ablaufendes Wasser
Die Zeit zwischen Hoch- und Niedrigwasser, das Wasser fällt. Seemännisch „Ebbe“.
Auflaufendes Wasser
Die Zeit zwischen Niedrig- und Hochwasser, das Wasser steigt. Seemännisch „Flut“ — gemeint ist die Bewegung, nicht der Höchststand.
Badegewässer
Ein Gewässer, in dem viele Menschen baden und das die Behörden deshalb überwachen. Der Begriff ist keine Beschreibung, sondern ein Rechtsstatus: Nur wo er gilt, gibt es Wasserproben und eine Einstufung.
Badesaison
Der Zeitraum, in dem überwacht wird — in Deutschland meist Mitte Mai bis Mitte September. Außerhalb werden keine Proben gezogen, und viele Gemeinden lassen dann auch andere Regeln gelten, etwa für Hunde.
Badesee
Stehendes Binnengewässer zum Baden. Oft ein Baggersee: eine mit Grundwasser gefüllte ehemalige Kies- oder Sandgrube. Solche Seen sind meist tief, kalt und haben steile Kanten unter Wasser.
Badeverbot
Die stärkste behördliche Maßnahme: Baden ist untersagt. Schwächer sind „vom Baden wird abgeraten“ und eine bloße Warnung — dort entscheidet man selbst, trägt aber das Risiko. „Wird untersucht“ heißt, dass ein Befund noch geprüft wird.
Blaualgen
Eigentlich Cyanobakterien, keine Algen. Bei Wärme und Nährstoffüberschuss vermehren sie sich massenhaft und färben das Wasser grünlich-trüb; manche Arten bilden Gifte. Der häufigste Grund für eine Badewarnung an Seen. Erkennbar daran, dass die Füße im knietiefen Wasser nicht mehr zu sehen sind.
Bodden und Förde
Flache, weit ins Land reichende Küstengewässer der Ostsee — Bodden an der vorpommerschen Küste, Förden in Schleswig-Holstein und Dänemark. Das Wasser ist brackig, wärmer als die offene Ostsee und wechselt seinen Stand mit dem Wind, nicht mit der Gezeit.
Brackwasser
Mischung aus Süß- und Salzwasser, wie in Flussmündungen, Bodden und der westlichen Ostsee. Weniger salzig als Meerwasser, deshalb dort andere Tiere und Pflanzen — und ein anderes Gefühl beim Schwimmen.
E. coli und Enterokokken
Zwei Bakteriengruppen aus dem Darm von Mensch und Tier. Sie machen selten selbst krank, sind aber leicht zu messen und zeigen an, dass Fäkalien ins Wasser gelangt sind — und damit möglicherweise auch Erreger, die krank machen.
Einstufung
Das Urteil über ein Badegewässer: ausgezeichnet, gut, ausreichend oder mangelhaft. Es entsteht aus den Messwerten von vier Badesaisons zusammen und sagt deshalb etwas über die Vergangenheit, nicht über den heutigen Tag.
EU-Badegewässerrichtlinie
Die europäische Regel, nach der Badegewässer während der Badesaison regelmäßig auf Darmbakterien untersucht und in vier Stufen eingeordnet werden. Jedes Land meldet seine Ergebnisse an die Europäische Umweltagentur — von dort stammt unser Bestand an überwachten Badestellen.
FKK
Freikörperkultur — Baden ohne Badekleidung. An der deutschen Küste und an vielen Seen gibt es dafür ausgewiesene Abschnitte; wir führen sie als eigene Badestellen, weil sie eigene Flächen neben dem Hauptstrand sind.
Freibad und Hallenbad
Bäder mit gefassten Becken und Aufsicht. Sie fallen nicht unter die Badegewässerrichtlinie, sondern werden nach eigenen Regeln vom Betreiber überwacht. Deshalb steht bei ihnen keine EU-Einstufung, sondern was man vor der Fahrt braucht: Öffnungszeiten, Anschrift, Telefonnummer.
Güte
Unser Maß dafür, wie gut die Rechnung an einem Pegel trifft, in Minuten. Wir halten die letzten fünf Messtage zurück, rechnen ohne sie und vergleichen danach mit dem, was wirklich gemessen wurde. Der Wert steht bei jeder Gezeitenstelle — er ist gemessen, nicht behauptet.
Hochwasser
Der höchste Stand einer Tide, der Punkt, an dem das Wasser aufhört aufzulaufen. Nicht zu verwechseln mit „Hochwasser“ an Flüssen, wo damit eine Überschwemmung gemeint ist.
Hundestrand
Ein Strandabschnitt, an dem Hunde ausdrücklich erlaubt sind — meist ein eigener Bereich, weil sie am Hauptstrand während der Badesaison verboten sind. Ob Leinenpflicht gilt, steht auf dem Schild vor Ort.
Lehrschwimmbecken
Ein kleines, flaches und warmes Becken, in dem Schwimmen unterrichtet wird. Meist an eine Schule oder Turnhalle angebaut und nur zu bestimmten Zeiten öffentlich.
Lido
Das italienische Wort für Strand oder Küstenstreifen — vom lateinischen litus, „Ufer“. Der Lido von Venedig hat es in andere Sprachen getragen: In England und Australien heißt ein öffentliches Freibad bis heute Lido, in Italien auch der bewirtschaftete Strandabschnitt. Wir haben es als Namen genommen, weil es in vielen Sprachen dasselbe meint: die Stelle, an der man ins Wasser geht.
Mittelwasser
Der Durchschnitt aller Wasserstände an einem Ort. Zeigt am anschaulichsten, wie weit das Wasser über und unter die Mitte schwingt.
Naturbad
Ein Bad mit gefassten Becken, aber ohne Chlor: Gereinigt wird über bepflanzte Filterzonen. Zwischen Freibad und Badesee, und je nach Gemeinde als eines von beiden geführt.
Nicht überwacht
Unsere Kennzeichnung für Badeplätze, die nicht unter die EU-Richtlinie fallen: kein Probenplan, keine Einstufung. Meist haben Ortskundige sie in OpenStreetMap eingetragen. Steht eine Stelle in einem amtlichen Verzeichnis, wird dort aber nicht beprobt, schreiben wir „amtlich, nicht beprobt“ — derselbe Wissensstand über das Wasser, aber eine andere Herkunft. Ungeprüft ist nicht dasselbe wie gefährlich — wir können über das Wasser dort nur nichts sagen.
Niedrigwasser
Der tiefste Stand einer Tide, bevor das Wasser wieder aufläuft.
Nipptide
Das Gegenstück: die schwächsten Tiden bei Halbmond, wenn Sonne und Mond im rechten Winkel stehen.
Normalhöhennull
Abgekürzt NHN, die amtliche Höhenbezugsfläche in Deutschland — die Null auf Landkarten und Ortsschildern. Unsere Standardanzeige.
Pegel
Die Messstelle, an der der Wasserstand aufgezeichnet wird. Jede Badestelle erbt hier die Zeiten des nächstgelegenen geeigneten Pegels; liegt er weiter weg, steht ein Hinweis dabei.
Pegelnull
Der Nullpunkt einer einzelnen Messstelle. Historisch so gelegt, dass die Messwerte nie negativ werden. Er gilt nur für diesen einen Pegel.
Priel
Eine Rinne im Watt, in der das Wasser abfließt und zuerst zurückkommt. Priele füllen sich früher als die Fläche daneben — der Grund, warum Wattwanderungen ohne Ortskenntnis gefährlich sind.
Seekartennull
Abgekürzt SKN, die Bezugsfläche der Seekarten und der amtlichen Gezeitentafeln. Sie liegt so tief, dass das Wasser praktisch nie darunter fällt — für die Schifffahrt die sichere Annahme. Deshalb stehen dort größere Zahlen als bei uns.
Springtide
Die besonders großen Tiden bei Voll- und Neumond, wenn Sonne und Mond in einer Linie stehen und sich ihre Wirkungen addieren. Etwa alle 14 Tage.
Tide
Das regelmäßige Steigen und Fallen des Meeres, seemännisch auch „Tiden“. An der Nordsee zweimal am Tag, genauer alle 12 Stunden und 25 Minuten.
Tidenanteile
Die Grundschwingungen, aus denen sich eine Tide zusammensetzt — jede gehört zu einer Bewegung von Mond oder Sonne. Wir bestimmen aus der Messreihe eines Pegels, wie stark und wie versetzt jede davon dort auftritt, und können damit beliebig weit rechnen.
Tidenhub
Der Höhenunterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser. An der deutschen Nordseeküste je nach Ort etwa 2 bis 4 Meter; in Husum sind es rund 3,6 Meter. An der Ostsee bleiben davon wenige Zentimeter — deshalb gibt es dort bei uns keine Gezeitenzeiten.
Watt
Der Meeresboden, der bei Niedrigwasser trockenfällt. Das Wattenmeer der Nordsee ist Nationalpark und Weltnaturerbe.
Windstau
Der Anteil des Wasserstands, den Wind und Luftdruck verursachen. Auflandiger Wind drückt zusätzliches Wasser an die Küste, ablandiger zieht es heraus. Bei Sturm sind das mehr als ein Meter und über eine halbe Stunde Zeitverschiebung. Der Windstau lässt sich nicht Monate im Voraus berechnen — er ist Wetter, keine Astronomie.